Heimspeicher mit Umschalteinrichtung und beleuchteter Küche im Hintergrund

Stromspeicher mit Notstrom: Funktion, Laufzeit, Kosten

Jens Burkhardt
LESEDAUER: 7 MINUTEN
Aktualisiert: 5. Oktober 2026
Jens Burkhardt

Ein Stromspeicher mit Notstromfunktion kann bei Netzausfall ausgewählte Verbraucher versorgen. Ob eine Steckdose, mehrere Stromkreise oder Drehstromgeräte weiterlaufen, hängt vom vollständigen System ab. PV-Nachladung, automatische Umschaltung und Neustart nach leerer Batterie sind jeweils gesondert zu prüfen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Funktionsumfang: Die Werbebegriffe sind nicht einheitlich; entscheidend sind abgesicherte Stromkreise und Leistung.
  • Sichere Netztrennung und netzbildender Wechselrichter sind für die Hausversorgung im Ersatzbetrieb erforderlich.
  • Phasen: Drehstromgeräte brauchen drei passende Phasen; nicht jede Wärmepumpe oder jedes Kochgerät ist ein Drehstromverbraucher.
  • Schwarzstart und PV-Nachladung sind keine Zusage, dass das System mit vollständig entladener Batterie wieder startet.
  • Laufzeit: Aus 10 kWh verfügbarer Batterieenergie werden bei angenommenen 90 % nutzbarem AC-Anteil und 300 W Gesamtlast etwa 30 Stunden.
  • Keine pauschale USV-Garantie: Auch kurze Umschaltzeiten können empfindliche Geräte unterbrechen.

Notstrom oder Ersatzstrom: Was ist gemeint?

Hersteller verwenden „Notstrom“, „Ersatzstrom“ und „Backup“ unterschiedlich. Für die Auswahl hilft deshalb eine Beschreibung der tatsächlichen Funktion mehr als das Produktetikett.

FunktionMöglicher NutzenZu prüfen
Gesonderte NotstromsteckdoseVersorgung geeigneter steckbarer GeräteLeistung, Anlaufstrom, manuelle Bedienung, Energiequelle
Ersatzstrom für ausgewählte StromkreiseWichtige Verbraucher ohne Umstecken versorgenSichere Umschaltung, getrennte Stromkreise, zulässige Last
Dreiphasiger ErsatzstromAuch geeignete Drehstromlasten versorgenEchte Phasenverschiebung, Leistung je Phase, Überlastfähigkeit
PV-Nachladung im ErsatzbetriebBatterie bei Sonne nachladenFreigegebene Kombination und Betriebsgrenzen
SchwarzstartInselnetz ohne vorhandenes öffentliches Netz aufbauenMindest-Ladezustand, Startenergie und Wiederanlaufbedingungen

Eine Notstromsteckdose kann auch einen passenden Kühlschrank versorgen, sofern dessen Anschluss- und Anlaufleistung innerhalb der Freigabe liegen. Sie ist nicht auf Router oder Handyladegeräte beschränkt.

Umgekehrt bedeutet „Haus-Backup“ nicht, dass alle Geräte gleichzeitig betrieben werden dürfen. Die Ersatzstromleistung kann deutlich unter der Summe der angeschlossenen Lasten liegen.

Warum Standard-PV bei Stromausfall abschaltet

Ein gewöhnlicher netzgeführter PV-Wechselrichter braucht ein vorhandenes Wechselspannungsnetz als Referenz. Bei Netzausfall trennt der Netz- und Anlagenschutz die Einspeisung vom öffentlichen Netz. Das schützt unter anderem Arbeiten an den Leitungen.

Ein Ersatzstromsystem muss stattdessen lokal Spannung und Frequenz bilden und den versorgten Bereich sicher vom öffentlichen Netz trennen. Das kann mit einem geeigneten Hybridwechselrichter oder einem geeigneten Batteriewechselrichter geschehen. Die Umschalttechnik kann integriert, separat, automatisch oder für eine freigegebene manuelle Bedienung ausgelegt sein.

Die Planung richtet sich nach Herstellerunterlagen und den Anschlussregeln, insbesondere den VDE-FNN-Hinweisen für Speicher. Anschluss und Umbauten gehören zum Elektrofachbetrieb. Keinesfalls einen Speicher über improvisierte Kabel in Haussteckdosen zurückspeisen.

Einphasig oder dreiphasig?

Für einen echten Drehstromverbraucher ist eine geeignete dreiphasige Versorgung nötig. Bei einphasigen Geräten entscheidet dagegen, ob ihr Stromkreis im Ersatzstrombereich liegt und ausreichend Leistung verfügbar ist.

Wärmepumpen gibt es mit unterschiedlichen elektrischen Anschlüssen. Ein Backofen kann einphasig sein; bei einem Kochfeld hängen Anschlussmöglichkeiten vom konkreten Gerät ab. Die pauschale Aussage „Wärmepumpe, Wallbox und Herd brauchen immer drei Phasen“ ist deshalb zu grob.

Bei der Planung zählen die Gesamtleistung und die Leistung je Phase. Ein dreiphasiges System mit 6 kW Gesamtleistung liefert nicht automatisch 6 kW auf einer einzelnen Phase. Auch Unsymmetrie, kurzzeitige Anlaufleistung und zulässige Lastkombinationen müssen berücksichtigt werden.

Einphasige Ersatzstromlösungen können für ausgewählte wichtige Stromkreise ausreichen. Die Verteilung wird gezielt geplant; Verbraucher sollten nicht erst beim Ausfall zufällig auf der richtigen Phase liegen.

Umschaltzeit ist nicht gleich unterbrechungsfrei

Eine kurze Umschaltzeit verbessert die Chance, dass Geräte weiterlaufen. Eine Angabe wie 20 Millisekunden garantiert jedoch keine unterbrechungsfreie Versorgung jedes Computers, Routers oder Steuergeräts.

Zu prüfen sind die Umschaltzeit im konkreten Betriebsmodus und die zulässige Unterbrechung des Verbrauchers. Automatische Systeme unterscheiden sich von Lösungen mit manuellem Umschalter. Auch dreiphasige Ersatzstromfähigkeit sagt darüber noch nichts aus.

Kritische Verbraucher gesondert absichern

Bei medizinisch notwendigen Geräten die Versorgung mit Geräteanbieter und behandelndem Team planen. Ein PV-Heimspeicher ersetzt keine dafür geeignete Notfallversorgung. Für unterbrechungsempfindliche IT kann zusätzlich eine passend ausgelegte USV erforderlich sein.

PV-Nachladung und Schwarzstart getrennt prüfen

PV-Nachladung bedeutet, dass die Solaranlage während des laufenden Ersatzstrombetriebs Energie bereitstellen und gegebenenfalls die Batterie laden kann. Schwarzstart beschreibt den Aufbau des lokalen Netzes ohne ein bereits vorhandenes Netz.

Ein System kann für den Schwarzstart eine Mindestreserve in der Batterie benötigen. Ein angezeigter Ladezustand von 0 % kann wiederum eine vom Batteriemanagement geschützte Reserve enthalten. Aus dem Schlagwort „schwarzstartfähig“ folgt keine allgemeine Zusage für den Neustart nach vollständiger Entladung.

Ein konkretes Gegenbeispiel zur pauschalen Speicherpflicht ist der Fronius PV Point: Die dafür vorgesehenen GEN24-Systeme können bei ausreichender PV-Leistung auch ohne Batterie einphasige Verbraucher bis 3 kW versorgen. Diese Funktion ist keine Versorgung des gesamten Hauses und gilt nicht für beliebige Wechselrichter.

Bei einem AC-gekoppelten Speicher muss zusätzlich geklärt werden, ob der vorhandene PV-Wechselrichter im gebildeten Inselnetz freigegeben ist. Eine Batterie kann Ersatzstrom liefern, während die nicht kompatible PV-Anlage trotzdem abgeschaltet bleibt.

Wie lange reicht die Batterie?

Die Laufzeit hängt von der beim Ausfall tatsächlich verfügbaren Energie ab, nicht allein von der aufgedruckten Speicherkapazität. Restladung, Reserve, Umwandlungsverluste und Eigenverbrauch des Systems verkürzen die Versorgung.

Verfügbare Batterieenergie beim Ausfall300 W Gesamtlast600 W Gesamtlast1.000 W Gesamtlast
5 kWh15 h7,5 h4,5 h
10 kWh30 h15 h9 h
15 kWh45 h22,5 h13,5 h
20 kWh60 h30 h18 h

Annahmen: 90 % der verfügbaren Batterieenergie stehen nach Umwandlung für die Versorgung bereit; die mittlere Gesamtlast enthält Verbraucher und verbleibenden System-Eigenbedarf. Keine PV-Nachladung, konstante Last. Das ist eine Beispielrechnung, kein gemessener Systemwirkungsgrad.

Laufzeit in Stunden = verfügbare Batterieenergie in kWh × 0,90 ÷ mittlere Gesamtlast in kW

Bei nur halb gefülltem Speicher steht entsprechend weniger Energie zur Verfügung. PV-Nachladung kann die Laufzeit verlängern, sofern das System sie unterstützt und genügend Sonne vorhanden ist. Auch im Sommer ergibt sich daraus keine unbegrenzte Versorgungsgarantie.

Ersatzstrom nachrüsten: Welche Wege gibt es?

Ersatzstrom lässt sich je nach vorhandener Technik auf verschiedenen Wegen ergänzen. Ein Austausch des PV-Wechselrichters ist nicht immer nötig.

AusgangslageMöglicher Weg
Vorhandener Wechselrichter unterstützt ErsatzstromFreigegebene Umschalttechnik und Stromkreisaufteilung ergänzen
Funktionsfähige PV-Anlage soll unverändert bleibenGeeigneten AC-Batteriewechselrichter ergänzen; PV-Nachladung separat prüfen
PV-Wechselrichter muss ohnehin ersetzt werdenPassendes Hybridsystem mit Batterie und Umschaltung vergleichen
Keine geeignete Hausumschaltung gewünschtBegrenzte, dafür zugelassene Steckdosenlösung prüfen

Die Speicher-Nachrüstung behandelt die Varianten ausführlicher. Zustandsprüfung, Schutzkonzept und Hausverteilung gehören in das Angebot.

Was kostet die Ersatzstromfunktion?

Die Zusatzkosten hängen davon ab, welche Komponenten bereits vorhanden sind. Eine integrierte Funktion, ein manueller Umschalter und eine vollständige automatische Hausumschaltung haben unterschiedliche Leistungsumfänge.

Eine belastbare allgemeine Preisspanne lässt sich aus dem Echtsolar-Speicherkostenindex nicht ableiten: Er weist die Ersatzstrom-Nachrüstung nicht separat aus. Im Angebot sollten Umschalteinheit, Montage, Umbau der Verteilung, Messung, Inbetriebnahme und gegebenenfalls Wechselrichtertausch einzeln erkennbar sein.

Ein Vergleich nur anhand des Preises einer „Backup-Box“ kann wichtige Arbeiten übersehen. Ob die Funktion bereits im Systempreis enthalten ist, muss ebenfalls klar sein.

Wann ist Ersatzstrom sinnvoll?

Ersatzstrom ist eine Entscheidung über Versorgungskomfort und Ausfallfolgen. Er erzeugt für sich keine zusätzliche PV-Energie und sollte nicht pauschal mit einer garantierten Rendite beworben werden.

Die Bundesnetzagentur meldete für 2024 einen SAIDI von 11,7 Minuten je Letztverbraucher. Dieser Jahresmittelwert betrifft bestimmte ungeplante Unterbrechungen über drei Minuten; höhere Gewalt ist bei dieser Kennzahl ausgenommen. Er sagt weder, dass ein einzelner Ausfall nur 11,7 Minuten dauert, noch dass ein bestimmter Haushalt nie länger betroffen ist.

Für die Entscheidung zählen die lokalen Risiken und die Folgen eines Ausfalls. Wer vor allem Kühlung, Kommunikation und Heizungssteuerung erhalten möchte, kann andere Anforderungen haben als ein Betrieb mit leistungsstarken Maschinen.

Ersatzstrom gezielt anbieten lassen

Legen Sie fest, welche Verbraucher weiterlaufen sollen, welche Unterbrechung sie vertragen und wie lange die Reserve reichen soll. Daraus ergeben sich Phasenzahl, Leistung und Energiemenge.

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