Ein Stromspeicher mit Notstromfunktion kann bei Netzausfall ausgewählte Verbraucher versorgen. Ob eine Steckdose, mehrere Stromkreise oder Drehstromgeräte weiterlaufen, hängt vom vollständigen System ab. PV-Nachladung, automatische Umschaltung und Neustart nach leerer Batterie sind jeweils gesondert zu prüfen.
- Funktionsumfang: Die Werbebegriffe sind nicht einheitlich; entscheidend sind abgesicherte Stromkreise und Leistung.
- Sichere Netztrennung und netzbildender Wechselrichter sind für die Hausversorgung im Ersatzbetrieb erforderlich.
- Phasen: Drehstromgeräte brauchen drei passende Phasen; nicht jede Wärmepumpe oder jedes Kochgerät ist ein Drehstromverbraucher.
- Schwarzstart und PV-Nachladung sind keine Zusage, dass das System mit vollständig entladener Batterie wieder startet.
- Laufzeit: Aus 10 kWh verfügbarer Batterieenergie werden bei angenommenen 90 % nutzbarem AC-Anteil und 300 W Gesamtlast etwa 30 Stunden.
- Keine pauschale USV-Garantie: Auch kurze Umschaltzeiten können empfindliche Geräte unterbrechen.
Notstrom oder Ersatzstrom: Was ist gemeint?
Hersteller verwenden „Notstrom“, „Ersatzstrom“ und „Backup“ unterschiedlich. Für die Auswahl hilft deshalb eine Beschreibung der tatsächlichen Funktion mehr als das Produktetikett.
| Funktion | Möglicher Nutzen | Zu prüfen |
|---|---|---|
| Gesonderte Notstromsteckdose | Versorgung geeigneter steckbarer Geräte | Leistung, Anlaufstrom, manuelle Bedienung, Energiequelle |
| Ersatzstrom für ausgewählte Stromkreise | Wichtige Verbraucher ohne Umstecken versorgen | Sichere Umschaltung, getrennte Stromkreise, zulässige Last |
| Dreiphasiger Ersatzstrom | Auch geeignete Drehstromlasten versorgen | Echte Phasenverschiebung, Leistung je Phase, Überlastfähigkeit |
| PV-Nachladung im Ersatzbetrieb | Batterie bei Sonne nachladen | Freigegebene Kombination und Betriebsgrenzen |
| Schwarzstart | Inselnetz ohne vorhandenes öffentliches Netz aufbauen | Mindest-Ladezustand, Startenergie und Wiederanlaufbedingungen |
Eine Notstromsteckdose kann auch einen passenden Kühlschrank versorgen, sofern dessen Anschluss- und Anlaufleistung innerhalb der Freigabe liegen. Sie ist nicht auf Router oder Handyladegeräte beschränkt.
Umgekehrt bedeutet „Haus-Backup“ nicht, dass alle Geräte gleichzeitig betrieben werden dürfen. Die Ersatzstromleistung kann deutlich unter der Summe der angeschlossenen Lasten liegen.
Warum Standard-PV bei Stromausfall abschaltet
Ein Ersatzstromsystem muss stattdessen lokal Spannung und Frequenz bilden und den versorgten Bereich sicher vom öffentlichen Netz trennen. Das kann mit einem geeigneten Hybridwechselrichter oder einem geeigneten Batteriewechselrichter geschehen. Die Umschalttechnik kann integriert, separat, automatisch oder für eine freigegebene manuelle Bedienung ausgelegt sein.
Die Planung richtet sich nach Herstellerunterlagen und den Anschlussregeln, insbesondere den VDE-FNN-Hinweisen für Speicher. Anschluss und Umbauten gehören zum Elektrofachbetrieb. Keinesfalls einen Speicher über improvisierte Kabel in Haussteckdosen zurückspeisen.
Einphasig oder dreiphasig?
Wärmepumpen gibt es mit unterschiedlichen elektrischen Anschlüssen. Ein Backofen kann einphasig sein; bei einem Kochfeld hängen Anschlussmöglichkeiten vom konkreten Gerät ab. Die pauschale Aussage „Wärmepumpe, Wallbox und Herd brauchen immer drei Phasen“ ist deshalb zu grob.
Bei der Planung zählen die Gesamtleistung und die Leistung je Phase. Ein dreiphasiges System mit 6 kW Gesamtleistung liefert nicht automatisch 6 kW auf einer einzelnen Phase. Auch Unsymmetrie, kurzzeitige Anlaufleistung und zulässige Lastkombinationen müssen berücksichtigt werden.
Einphasige Ersatzstromlösungen können für ausgewählte wichtige Stromkreise ausreichen. Die Verteilung wird gezielt geplant; Verbraucher sollten nicht erst beim Ausfall zufällig auf der richtigen Phase liegen.
Umschaltzeit ist nicht gleich unterbrechungsfrei
Zu prüfen sind die Umschaltzeit im konkreten Betriebsmodus und die zulässige Unterbrechung des Verbrauchers. Automatische Systeme unterscheiden sich von Lösungen mit manuellem Umschalter. Auch dreiphasige Ersatzstromfähigkeit sagt darüber noch nichts aus.
Bei medizinisch notwendigen Geräten die Versorgung mit Geräteanbieter und behandelndem Team planen. Ein PV-Heimspeicher ersetzt keine dafür geeignete Notfallversorgung. Für unterbrechungsempfindliche IT kann zusätzlich eine passend ausgelegte USV erforderlich sein.
PV-Nachladung und Schwarzstart getrennt prüfen
Ein System kann für den Schwarzstart eine Mindestreserve in der Batterie benötigen. Ein angezeigter Ladezustand von 0 % kann wiederum eine vom Batteriemanagement geschützte Reserve enthalten. Aus dem Schlagwort „schwarzstartfähig“ folgt keine allgemeine Zusage für den Neustart nach vollständiger Entladung.
Ein konkretes Gegenbeispiel zur pauschalen Speicherpflicht ist der Fronius PV Point: Die dafür vorgesehenen GEN24-Systeme können bei ausreichender PV-Leistung auch ohne Batterie einphasige Verbraucher bis 3 kW versorgen. Diese Funktion ist keine Versorgung des gesamten Hauses und gilt nicht für beliebige Wechselrichter.
Bei einem AC-gekoppelten Speicher muss zusätzlich geklärt werden, ob der vorhandene PV-Wechselrichter im gebildeten Inselnetz freigegeben ist. Eine Batterie kann Ersatzstrom liefern, während die nicht kompatible PV-Anlage trotzdem abgeschaltet bleibt.
Wie lange reicht die Batterie?
Die Laufzeit hängt von der beim Ausfall tatsächlich verfügbaren Energie ab, nicht allein von der aufgedruckten Speicherkapazität. Restladung, Reserve, Umwandlungsverluste und Eigenverbrauch des Systems verkürzen die Versorgung.
| Verfügbare Batterieenergie beim Ausfall | 300 W Gesamtlast | 600 W Gesamtlast | 1.000 W Gesamtlast |
|---|---|---|---|
| 5 kWh | 15 h | 7,5 h | 4,5 h |
| 10 kWh | 30 h | 15 h | 9 h |
| 15 kWh | 45 h | 22,5 h | 13,5 h |
| 20 kWh | 60 h | 30 h | 18 h |
Annahmen: 90 % der verfügbaren Batterieenergie stehen nach Umwandlung für die Versorgung bereit; die mittlere Gesamtlast enthält Verbraucher und verbleibenden System-Eigenbedarf. Keine PV-Nachladung, konstante Last. Das ist eine Beispielrechnung, kein gemessener Systemwirkungsgrad.
Laufzeit in Stunden = verfügbare Batterieenergie in kWh × 0,90 ÷ mittlere Gesamtlast in kW
Bei nur halb gefülltem Speicher steht entsprechend weniger Energie zur Verfügung. PV-Nachladung kann die Laufzeit verlängern, sofern das System sie unterstützt und genügend Sonne vorhanden ist. Auch im Sommer ergibt sich daraus keine unbegrenzte Versorgungsgarantie.
Ersatzstrom nachrüsten: Welche Wege gibt es?
Ersatzstrom lässt sich je nach vorhandener Technik auf verschiedenen Wegen ergänzen. Ein Austausch des PV-Wechselrichters ist nicht immer nötig.
| Ausgangslage | Möglicher Weg |
|---|---|
| Vorhandener Wechselrichter unterstützt Ersatzstrom | Freigegebene Umschalttechnik und Stromkreisaufteilung ergänzen |
| Funktionsfähige PV-Anlage soll unverändert bleiben | Geeigneten AC-Batteriewechselrichter ergänzen; PV-Nachladung separat prüfen |
| PV-Wechselrichter muss ohnehin ersetzt werden | Passendes Hybridsystem mit Batterie und Umschaltung vergleichen |
| Keine geeignete Hausumschaltung gewünscht | Begrenzte, dafür zugelassene Steckdosenlösung prüfen |
Die Speicher-Nachrüstung behandelt die Varianten ausführlicher. Zustandsprüfung, Schutzkonzept und Hausverteilung gehören in das Angebot.
Was kostet die Ersatzstromfunktion?
Eine belastbare allgemeine Preisspanne lässt sich aus dem Echtsolar-Speicherkostenindex nicht ableiten: Er weist die Ersatzstrom-Nachrüstung nicht separat aus. Im Angebot sollten Umschalteinheit, Montage, Umbau der Verteilung, Messung, Inbetriebnahme und gegebenenfalls Wechselrichtertausch einzeln erkennbar sein.
Ein Vergleich nur anhand des Preises einer „Backup-Box“ kann wichtige Arbeiten übersehen. Ob die Funktion bereits im Systempreis enthalten ist, muss ebenfalls klar sein.
Wann ist Ersatzstrom sinnvoll?
Die Bundesnetzagentur meldete für 2024 einen SAIDI von 11,7 Minuten je Letztverbraucher. Dieser Jahresmittelwert betrifft bestimmte ungeplante Unterbrechungen über drei Minuten; höhere Gewalt ist bei dieser Kennzahl ausgenommen. Er sagt weder, dass ein einzelner Ausfall nur 11,7 Minuten dauert, noch dass ein bestimmter Haushalt nie länger betroffen ist.
Für die Entscheidung zählen die lokalen Risiken und die Folgen eines Ausfalls. Wer vor allem Kühlung, Kommunikation und Heizungssteuerung erhalten möchte, kann andere Anforderungen haben als ein Betrieb mit leistungsstarken Maschinen.
Ersatzstrom gezielt anbieten lassen
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