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PV-Zähler A bis Z: Ablesung, Analog, Digital, Zweirichtungszähler

Letztes Update: 5. Oktober 2021

Lesedauer: 9 Minuten

Jens Burkhardt

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Jens Burkhardt

Damit die Erträge einer Photovoltaikanlage richtig abgerechnet werden können, benötigt es ein passendes Messverfahren. Wie auch beim normalen Haushalt wird dafür ein Stromzähler verwendet. 

Es gibt einige Eigenheiten und Fallstricke, wenn es um den oder die PV-Zähler geht. Dieser Artikel soll Klarheit in Bezug auf den Photovoltaik-Stromzähler bringen.

Folgende Fragen (und mehr) werden beantwortet: Welchen oder welche Zähler benötigt meine PV-Anlage? Was ist ein Zweirichtungszähler? Was hat es mit der Rücklaufspeere auf sich?

Benötigt man heutzutage einen digitalen Zähler oder reicht der analoge aus? Was sind intelligente Stromzähler und benötige ich einen für meine Solaranlage? Welche Zusatzkosten bringt ein PV-Zähler mit sich?

Was ist ein Photovoltaik-Zähler?

Es existiert kein reiner Photovoltaik-Zähler. Wenn vom PV-Zähler gesprochen wird, ist meistens der Ertragszähler der Photovoltaikanlage gemeint. Aber auch der Bezugszähler, der Einspeisezähler und der Zweirichtungszähler wird  häufig in diesem Kontext verwendet.

Ein Stromzähler ist das Messgerät zur Erfassung von elektrischer Energie (Strom). Bei der Verwendung einer PV-Anlage müssen mehrere Stromflüsse erfasst werden, damit eine korrekte Abrechnung vom Stromversorger erfolgen kann. Und zwar:

  • der produzierte Solarstrom
  • der eingespeiste (nach EEG vergütete) Solarstrom
  • der vor Ort direkt verbrauchte Solarstrom (Eigenverbrauch)
  • der bezogene Strom (eingekauft)

Welche Stromzähler benötigt es, um diese 4 Datenpunkte technisch sauber und rechtlich einwandfrei zu erheben?

Bezugszähler, Einspeisezähler und Produktionszähler

Der Bezugszähler und der Einspeisezähler sind für alle Betreiber einer Photovoltaikanlage verpflichtend. 

Ein Bezugszähler ist bereits in jedem Haushalt mit Stromanschluss vorhanden. Dieser zählt lediglich die bezogene elektr. Energie (in kWh). Es handelt sich hierbei also um den eingekauften Strom. Auch mit einer PV-Anlage benötigt es einen Zukauf von Strom, es sein denn es handelt sich um eine Inselanlage. 

Der Einspeisezähler misst die eingespeiste Energie der Photovoltaikanlage. Ein Teil vom Solarstrom wird selbst verbraucht, der Überschuss wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist und vergütet (siehe EEG-Einspeisevergütung). Die Abrechnung erfolgt nach kWh, deshalb muss dieser Wert gemessen werden.

Ein Produktionszähler ist nicht zwingend notwendig, aber möglich. 

Erst ab 30 kWp benötigt es eine eigene Erzeugungsmessung, weil dann EEG-Umlage auf dein Eigenverbrauch anfällt. 


Der Wechselrichter speichert die Höhe der Solarstromproduktion und kann somit als eine Art Produktionszähler verwendet werden. 

Produktionszähler Wechselrichter

Produktionszähler WR

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Aus der produzierten Energie, abzüglich der eingespeisten Energie lässt sich der Eigenverbrauch berechnen. 

Zweirichtungszähler ist der Standard für PV-Anlagen 

Der Platz im Zählerschrank ist immer knapp, deshalb werden die essenziellen Geräte (Bezug- und Einspeisezähler) meisten in einem Gerät kombiniert. Das nennt sich dann Zweirichtungszähler. Das PV-Zählersystem ist ein Bestandteil jeder Photovoltaikanlage.

Der gewöhnliche Stromzähler wird bei der Inbetriebnahme der PV-Anlage mit einem Zweirichtungszähler ausgetauscht. 

Viele digitale Zähler haben die Zweirichtungs-Funktion bereits integriert und es muss nur eine Umstellung erfolgen.

Inbetriebnahme ohne Zählerwechsel möglich?

Wenn die Photovoltaikanlage fertiggestellt wird, muss vom Verteilnetzbetreiber oder dem Messstellenbetreiber ein korrekter Stromzähler montiert werden. Oftmals, abhängig nach Standort der Solaranlage, kann das mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate dauern.

Das ist für den frischen Anlagenbetreiber sehr ärgerlich, deshalb ist es theoretisch möglich die PV-Anlage nur mit dem Bezugszähler anzufahren. 

Wird mehr Strom produziert, als verbraucht, dreht sich der Zähler rückwärts. Die meisten EVU’s sehen das überhaupt nicht gerne, es besteht die Gefahr rechtlicher Konsequenzen.

Damit das nicht passiert, sollte das Vorhaben mit der zuständigen Firma abgesprochen werden. Vorteilhaft wäre in diesem Fall ein Stromzähler mit Rücklaufspeere

Dann kann sich der Zähler nicht rückwärts drehen. Die meisten analogen Zähler haben keine Rücklaufsperre, die meisten digitalen Stromzähler schon.

Der Saldierende Zähler ist wichtig für korrekte Abrechnung vom Eigenverbrauch

In der Regel läuft der Stromkreis eines Haushalts auf 3 Phasen. Die meisten Verbraucher sind im Zählerkasten nur auf jeweils einer Phase angeklemmt.

Großverbraucher, wie Herd oder Durchlauferhitzer sind eine Ausnahme, denn sie laufen mit Drehstrom (alle drei Phasen).

Der Wechselrichter einer Photovoltaikanlage kann auf einem ein- oder dreiphasigen System beruhen. WR mit einer Leistung über 5 kW haben meistens 3 Phase. 

Ein nicht-saldierender Zähler verrechnet die einzelnen Phasen nicht miteinander. Stellen Sie sich vor, die Sonne scheint, es wird Solarstrom erzeugt. Es laufen aktuell einige Verbraucher, alle auf einer Phase. 

Der dreiphasige WR speist den Solarstrom auf allen Phasen gleichmäßig ein. Ein Teil von ihrem Eigenverbrauch würde vom nicht-saldierenden Stromzähler nicht erfasst werden. Dadurch kann es zu Einnahmeverlusten kommen.

Bei einem saldierenden Zähler werden alle drei Phasen miteinander saldiert, wodurch alles richtig verrechnet wird. Die meisten modernen Zweirichtungszähler sind saldierende Stromzähler. Fragen Sie aber unbedingt beim Messstellenbetreiber nach, ob das auch bei Ihnen der Fall ist!

Analoger Zähler, digitaler Zähler und intelligenter Zähler

Stromzähler, egal ob Zweirichtungszähler oder Einfachzähler, gibt es in analoger und digitaler Form. Schauen wir nun die verschiedenen Typen genauer an.

Ferraris-Zähler (analog)

Der Ferraris-Zähler ist auch als Induktionszähler oder analoger Stromzähler bekannt. Auffällig ist der schwarze Kasten mit der sich drehenden Aluminiumscheibe (Ferraris-Läufer).

Den meisten Menschen ist diese Art von Zähler nicht unbekannt.

Der analoge Zähler kommt zur Anwendung im gewöhnlichen Hausnetz, also bei 1- oder 3-phasigen Wechselstrom im Niederspannungsbereich. 

Ferraris-Zähler

Schaubild Ferraris-Zähler

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Ferraris-Zähler sind noch millionenfach in Anwendung, allerdings sind sie, laut Gesetzgebung, nicht mehr zeitgemäß und sollen bis zum Jahr 2032 ausgetauscht sein. 

Bei einem nötigen Zählerwechsel oder einem Neueinbau kommen bereits nur noch digitale Zähler zum Einsatz.

Digitaler Zähler

Der digitale Zähler, auch elektronischer Energiezähler oder als "moderne Messeinrichtung" bezeichnet, funktioniert rein elektrisch, ohne mechanische Bauteile.

Der Vorteil liegt in der detaillierteren Speicherung vom Stromverbrauch. Statt einer einfachen Saldierung, wird z.B. der Tages- und Monatsverbrauch gespeichert. Das soll für den Verbraucher eine bessere Übersicht bringen.

Intelligenter Zähler (Smart Meter)

Der intelligente Zähler ist letztlich ein digitaler Zähler mit einem zusätzlichen Smart-Meter-Gateway, also einer Kommunikationsschnittstelle zum Empfangen und Versenden der Verbrauchsdaten.

Die Daten vom Stromverbrauch können direkt vom Messstellenbetreiber bezogen werden. Es ist keine Zähler-Ablesung vor Ort mehr nötig. Weiterhin kann der Stromverbrauch in einer Online-Plattform dargestellt werden und im 15-Minuten-Takt mitverfolgt werden.

Mit einem Smart Meter können nun Stromtarife stündlich abgerechnet werden. Der Verbraucher kann so bewusst zu günstigen Zeiten Strom verbrauchen. Es gibt immer mehr Stromanbieter, welche diese Tarife anbieten.

Der intelligente Zähler ist Pflicht für Haushalte mit über 6.000 kWh Stromverbrauch. Außerdem ist er seit 2021 für Photovoltaik- und andere Erzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien, mit einer Leistung ab 7 kWp, vorgeschrieben.

Smart Home durch smarte PV-Zähler

Mithilfe eines Smart Meters ergeben sich einige zusätzliche Möglichkeiten. Der intelligente PV-Zähler kann in das Smart Home eingebunden werden. Ein wichtiges Ziel hierbei: den Photovoltaik-Eigenverbrauch zu steigern. 

Das gelingt durch gezieltes An- und Abschalten von Verbrauchern, abhängig von der Höhe der aktuellen Leistung der Photovoltaikanlage und dem Momentan-Stromverbrauch. 

Es könnte z.B. die Waschmaschine erst am Mittag (automatisch) angeschaltet werden, wenn genügend Sonne auf das Solardach scheint. Das gelingt mit einer Smart-Steckdose, welche mit dem Smart Meter kommuniziert. 

Mit der flächendeckenden Verwendung von intelligenten PV-Zählern wird in Zukunft werden immer mehr Smart-Home-Technologien auf den Markt kommen.

Akteure der Energiewirtschaft: wer rechnet den PV-Zähler ab?

Das Energieversorgungsunternehmen (EVU) ist ein allgemeiner Begriff und kann verschiedenen Akteure umfassen. 

Seit der Liberalisierung des Strommarkts und dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (2006) besteht die folgende Aufschlüsselung: 

  • Energieerzeuger (z.B. zentrale Kraftwerke, dezentrale EE-Anlagen)
  • Netzbetreiber (Übertragungsnetz, Verteilnetz)
  • Messstellenbetreiber
  • Stromanbieter

Als Privathaushalt mit eigener Photovoltaikanlage sind sie selbst Stromerzeuger. Der eingespeiste, überschüssige Solarstrom wird gemäß EEG vergütet. Die Abrechnung erfolgt über den örtlichen Verteilnetzbetreiber. 

Die Ablesung vom Zweirichtungszähler erfolgt mittlerweile durch den Messstellenbetreiber. Bei PV-Anlagen mit analogen Stromzähler ist aber noch immer der Verteilnetzbetreiber zuständig. 

Der grundständige Messstellenbetreiber gehört meistens zum gleichen Unternehmen, wie der Netzbetreiber. Die Trennung der zwei Aufgabenbereiche findet meistens nur auf dem Papier statt. 

Allerdings kann auch eine andere, eigenständige Firma mit der Ablesung, Wartung und dem Betrieb vom Photovoltaik-Zähler beauftragt werden (das ist neu). Der Verbraucher hat also mehr Freiheit.

Der Messstellenbetreiber meldet die Summe der eingespeiste Energie (in kWh) an den Netzbetreiber. Die Summe  der bezogenen Energie wird dem Stromanbieter mitgeteilt. 

Der Stromversorger (auch Elektrizitätsversorgungsunternehmen genannt) liefert die elektrische Energie an den Endverbraucher. Seine Aufgabe ist der Vertrieb und die Abrechnung vom Strom.

Der Photovoltaik-Anlagenbetreiber hat also eine vertragliche Verbindung mit:

  • Verteilnetzbetreiber (Gutschrift für eingespeisten Strom)
  • Stromlieferanten (Bezahlung von bezogenem Strom)
  • Messstellenbetreiber (Vertrag, aber normalerweise keine gesonderte Abrechnung)

Nun nehmen Sie diesen Wert und ziehen den Messwert 2.8.0 ab. Heraus kommt der Eigenverbrauch.

Kosten von Photovoltaik-Zähler

Was kostet ein PV-Zähler?

Ein einfacher analoger Zähler kostet 6 bis 13 Euro pro Jahr. Die Mietkosten für einen simplen digitaler Stromzähler kosten maximal 20 Euro pro Jahr. Für einen Zweirichtungszähler werden ca. 40 Euro verlangt.

Für einen Smart Meter hängen die Kosten vom jährlichen Stromverbrauch ab. Die Kosten liegen, bei Einfamilienhäusern, zwischen 40 und 100 Euro. Die Preise waren bei den analogen Zählern noch deutlich günstiger. 

Die Alternative zur Zählermiete ist der Zählerkauf. Nach Rücksprache mit dem Messstellenbetreiber ist es möglich auch einen eigenen Photovoltaik-Zähler zu kaufen. 

Über einige Jahre können somit definitiv Kosten gespart werden, allerdings entstehen dadurch auch diverse Pflichten. Nach dem Messgesetz (MessEG) muss der Zähler gemeldet, geeicht und jederzeit betriebsbereit sein (inklusive Haftung).

Stromzähler ablesen für Solaranlage

Wie wird der Photovoltaik-Zähler abgelesen?

Handelt es sich um einen Zweirichtungszähler, gibt es zwei Werte:

  • Messwert 1.8.0 ist der bezogene Strom
  • Messwert 2.8.0 ist der eingespeiste Strom

Die Kennzeichnung vom Wert ist meistens im Display auf der linken Seite ausgewiesen.

Wie wird der Eigenverbrauch ermittelt?

Der erzeugte Solarstrom in kWh kann am Wechselrichter abgelesen werden. Dazu kann auf eine Jahresansicht gewechselt werden. Ist der WR mit einem Online-Portal verbunden, können Sie die Daten auch bequem dort ablesen.

Eine sehr detailliertere Anleitung finden Sie hier

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