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Mini Solaranlage – alles was du wissen musst

Letztes Update: 18. Februar 2021

Lesedauer: 11 Minuten

Jens Burkhardt

Lesedauer: 11 Minuten

Jens Burkhardt

Eine Mini Photovoltaikanlage ist der einfachste Weg, um an der Energiewende teilzuhaben. Der Clou: Die Anlage wird nur an eine Steckdose angeschlossen. Sie installieren die Module, stecken den Stecker in die Steckdose und sofort speist die Anlage Strom direkt ins Haus.

Es ist ein ideales Einstiegsmodell, wenn Sie nicht gleich das ganze Dach mit Solarpanels bedecken wollen oder können.

Funktion und Aufbau einer Mini-Photovoltaikanlage

Eine Balkon-Solaranlage funktioniert wie andere Solaranlagen. Das Photovoltaikmodul erzeugt Gleichspannung, diese geht auf einen Wechselrichter (Micro-Wechselrichter), der direkt mit dem Modul verschaltet ist. 

Der Wechselrichter wandelt den Strom, der vom Modul kommt (Gleichspannung von ca. 20- 70 Volt) in Wechselstrom von 230 Volt um – also Strom, wie Sie ihn aus der Steckdose kennen. Die Mini Solaranlage besteht aus ein bis zwei PV-Modulen.


Die Leistung der gesamten Anlage liegt also bei 100 bis 600 Watt-Peak (Spitzenleistung). Je nach Witterungsbedingungen produziert die Anlage mehr oder weniger Strom.

Mini Photovoltaikanlage

Mini Photovoltaikanlage

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Der Wechselrichter leitet den Strom über einen entsprechenden Anschluss in ihr Hausnetz. Das kann zum Beispiel über einen Schuko-Stecker in ihre "normale" Steckdose erfolgen.

Der produzierte Strom wird dann direkt von ihren elektrischen Geräten vor Ort verbraucht. Der Überschuss gelangt ins öffentliche Stromnetz.

Dafür erhalten Sie allerdings keine Vergütung, es sie den die Anlage wird klassisch über das EEG angemeldet. Das lohnt sich in der Regel nicht, weil es zu viel Aufwand mit sich bringt (Steuern, Gewerbe anmelden).


Aufbau einer Solarzelle

Solarzellen bestehen aus Silizium und sind nur Bruchteile von Millimetern dick. Die Siliziumatome sitzen, dank ihrer vier Elektronen, fest im Gitter. In die obere Schicht Silizium werden einige Phosphoratome gemischt, diese haben fünf Elektronen. Nur vier Elektronen finden Bindungspartner, ein freies Elektron bleibt übrig.


In die untere Hälfte der Solarzelle wird Bor eingebaut, das nur 3 Elektronen hat.


Jeweils ein (freies) Elektron wandert vom Phosphor zum Bor. Zurück bleibt eine positive Teilladung am Phosphor. In dieser sogenannten Grenzschicht haben jetzt die Bor Atome vier Außenelektronen und eine negative Teilladung.


Treffen jetzt Photonen (Licht) auf die Solarzelle, so wandern die Elektronen. Sie sind negativ geladen und werden von der positiven Teilladung der Phosphoratome angezogen. Sie wandern also zum positiven Pol.


Oben und unten auf der Solarzelle befindet sich Metall (leitendes Material), das die Elektronen aufnimmt. Die beiden Metalle werden mit einem Kabel verbunden, die Elektronen fließen durch das Kabel und erzeugen Strom. 


Durch das Kabel werden die Elektronen dann wieder zurück zur Solarzelle geleitet und der Kreislauf beginnt von vorne.


Ist eine Mini Solaranlage erlaubt?

Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerk

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Ja, seit Oktober 2017 sind diese Anlagen (Steckdosenmodule oder Pluginmodule) erlaubt. Jede PV-Leistung, die in Deutschland aufgebaut wird, muss angemeldet werden. Ihre Mini PV Anlage muss:

  • vom Vermieter erlaubt, 

  • bei der Bundesnetzagentur gemeldet, 

  • bei Ihrem Netzbetreiber gemeldet werden und 

  • maximal 600 Watt (2 Module) produzieren.

Ihr Netzbetreiber ist übrigens nicht ihr Stromanbieter. Der Netzbetreiber steht entweder auf dem Stromzähler oder Sie suchen ihn online für Ihr Gebiet heraus. Viele Netzbetreiber haben mittlerweile ein vereinfachtes Anmeldeverfahren.

Welche technischen Voraussetzungen brauchen Sie?

Haben Sie einen „normalen“ Zähler (Einrichtungszähler ohne Rücklaufsperre) müssen Sie ihn gegen einen Zweirichtungszähler austauschen. Warum? Weil Sie mit Ihrer privaten Solaranlage Strom produzieren und diesen ins öffentliche Netz einspeisen. 

Der Zähler müsste sich rückwärts drehen und das ist nicht erlaubt (ebenso wie beim Kilometerzähler eines Autos). Das gilt als Betrug.

Eine normale Steckdose ist für den Betrieb einer kleinen Solaranlage geeignet. Ein Schuko-Stecker kann genutzt werden, entspricht aber nicht der gängigen VDE-Norm.

Auf keinen Fall sollten Sie eine Verteilersteckdose für den Anschluss nutzen. Die Steckdose sollte vor Wasser geschützt sein.

Besser ist es eine sogenannte Wieland-Steckdose zu verwenden. Diese sind extra für Mini Photovoltaikanlagen konzipiert. Allerdings wird die Installation schwieriger.

Ist eine steckerfertige Solaranlage Anlage gefährlich?

Nein, wenn sie normgerecht in Betrieb genommen wird. Lassen Sie sich von einer Elektrofachkraft beraten, ob Ihr Haus/Ihre Wohnung die nötigen Voraussetzungen erfüllt (Anschlussart, Leitungsdimensionierung, und Schutzeinrichtungen).

Wichtig für Sie: die Leitungen im Haus dürften keine Probleme haben für den Strom. Eine normale Steckdose kann kurzfristig über 3000 Watt durchleiten.

Die Solarzellen liegen hinter einer dicken Glassicht und das Modul erzeugt maximal 40 Volt Gleichspannung. Auch für Kinder besteht keinerlei Gefahr eines Stromschlags. 

Mini Solarmodul

Mini Solarmodul

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Wenn Ihr Kind den Stecker zieht, schaltet die Anlage innerhalb von 20 Millisekunden ab und es fließt kein Strom mehr. Grund: Jeder Wechselrichter ist mit einer sogenannten selbst wirkenden Freischaltstelle ausgestattet.

Sobald dem Modul Frequenz, Spannung oder die Netzimpedanz (der Widerstand des Netzes) fehlt, wird sofort abgeschaltet.

Wo und wie installiere ich eine Solaranlage

Sie können die Anlage am Balkon, an einer Fassade, auf dem Dach eines Gartenhäuschens oder auf einem Carport anbringen. Mit einer entsprechenden Vorrichtung können Sie die Solarpanels auch im Garten aufstellen.

Die Installation ist nicht kompliziert. Sie brauchen eine feste Verankerung, um das Modul auch bei starkem Wind sicher an seinem Platz zu halten. Diese können Sie selber anbringen, die Module wiegen nicht viel.

Das beste Ergebnis erzielen Sie, wenn Sie das Modul Richtung Süden ausrichten mit einem Neigungswinkel von ungefähr 30 Grad hat. Diesen Neigungswinkel erreichen Sie am Balkon nicht. Die Solaranlage produziert trotzdem Strom, aber der Wirkungsgrad ist etwas schlechter.

Wie das genau an ihrem Balkon aussieht, können Sie mit dem Photovoltaik-Neigungswinkel-Rechner herausfinden.

Wie viel Strom produziert eine Anlage mit Mini Photovoltaik?

Das Modul ist in der Lage, je nachdem wo es platziert ist, 250 bis 400 Kilowattstunden proJahr zu produzieren. Ein Modul kann als Spitzenleistung bis zu 350 Watt produzieren (Tendenz steigend), man spricht von einem 350-Watt-Peak.

Die Balkon-Kraftwerke liefern Strom für den eigenen Haushalt. Beim Stromverbrauch in einem Haushalt bezeichnet man als Grundlast den Stromverbrauch von Geräten, die ständig mit Energie versorgt werden müssen: Kühlschrank, Telefon oder Internet-Router.

Die kleinen Kraftwerke dienen vor allem dazu, diese Grundlast zu senken. Eine Standby-Leistung in Ihrer Wohnung von 300 Watt wird ausgeglichen durch die 300 Watt, die das Modul produziert. Dann müssen Sie als Verbraucher nichts bezahlen.

Der Verbrauch eines normalen Miethaushalts liegt zwischen 1500 und 2500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr. Sie können 10 % Ihres Stromverbrauchs mit dem Modul einsparen. Der Löwenanteil des Stroms kommt nach wie vor vom herkömmlichen Stromanbieter.

Die Maximalleistung von 350 Watt erzielt man vor allem in den Monaten Mai bis August. Dann hat die Sonne die meiste Kraft. Ist es sehr heiß, geht der Wirkungsgrad der Module herunter.


Auch, wenn die mini Solaranlage dreckig wird, sind Leistungseinbußen zu erwarten. Es lohnt sich die Photovoltaikanlage regelmäßig zu reinigen.

Montage einer kleinen PV-Anlage

Montage einer kleinen PV-Anlage

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Eine Solaranlage lohnt sich, auch wenn im Winter die Sonne nicht kraftvoll scheint. Die Module arbeiten im kalten Winter effektiver, da sie gekühlt sind. Zudem arbeitet die neue Generation an Solarmodulen sehr gut bei diffusem Licht. 

Dennoch: der Ertrag im Winter liegt deutlich unter den Sommermonaten.

Wann rechnet sich eine Mini PV Anlage?

Die Mini Solarkraftwerke kosten zwischen 400 und 600 Euro. Eine Mini Anlage liefert etwa 300 kWh pro Jahr. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde sparen Sie im Optimalfall zwischen 70€ bis 100 € im Jahr. Das geht nur, wenn 100 Prozent des Stroms verbraucht werden. Realistisch ist ein Eigenverbrauchsquote von 70 Prozent.

Eine Anlage für 550 € ist in damit in knapp 10 Jahren abbezahlt.

Bedenken Sie aber, das:

Steigt der Strompreis, sparen Sie mehr Geld. Sinkt der Strompreis, dauert es länger bis sich die Investition amortisiert. Für viele Kunden zählt nicht nur der wirtschaftliche Aspekt, sie möchten einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Kann ich meinen kompletten Strombedarf mit einer Mini Solaranlage selbst produzieren?

Nein, das geht nicht aus verschiedenen Gründen:

  • Sie erzeugen den gesamten Strom am Tag – oft mehr, als benötigt wird. Sie brauchen aber auch nachts Strom. 
  • Sie können den erzeugten Strom nicht speichern. Die Leistung der Module ist zu schwach, als dass sich Speichern lohnen würde. 
  • Bei mehr als 600 Watt Peak-Leistung gelten Sie als Stromerzeuger. Das ist ein anmelde- und steuerpflichtiges Gewerbe. 

Je kleiner die Photovoltaik-Anlage, desto eher ist gewährleistet, dass der produzierte Strom auch wirklich verbraucht wird.

Kann ich mit der Mini Solaranlage direkt ein elektrisches Gerät betreiben?

Ja, denn Strom sucht sich immer den kürzesten Weg. Er wandert direkt zum nächsten verfügbaren Verbraucher. Mit ihren Solarmodulen betreiben Sie (wenn genug Sonne vorhanden) ihren Gefrierschrank, ihren TV oder ihren Lüfter.

Auswirkungen auf die Umwelt

Schauen wir uns jetzt an, welchen Einfluss eine kleine Solaranlage auf die Umwelt und das Klima hat. Schließlich ist das ein wichtiger Aspekt, der für oder gegen eine Anschaffung spricht.

Ist die Herstellung des Solarmoduls sehr energieaufwändig?

Für die Herstellung eines Solarmoduls wird Energie benötigt. Es gibt den Mythos, dass die Herstellung mehr Strom benötigt, als es selbst produziert.

Das ist natürlich Quatsch. Ein Solarpanel holt die vielfache Energie während der Laufzeit wieder herein. Für die Herstellung der Solarzellen ist im wesentlichen Sand, ein Rohstoff, der überall verfügbar ist.

Solarzellen können weltweit günstig produziert und eingesetzt werden. Es dauert bei einer modernen Solaranlage nur  2 bis 3 Jahre bis Sie die Energie erzeugt haben, die für die Herstellung verwendet wurde. Die Lebensdauer beträgt 25 bis 40 Jahre.

Photovoltaikanlage an Balkon

Photovoltaikanlage an Balkon

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Eine kleine PV-Anlage in Südeuropa hat eine noch bessere Energiebilanz. Durch die höhere Sonneneinstrahlung verkürzt sich der Zeitraum (bei der gleichen Solaranlage) auf ein Jahr.

Wie viel Kohle spart ein Photovoltaikmodul?

Ein Kilo Rohbraunkohle liefert in einem Kraftwerk ungefähr eine Kilowattstunde an elektrischer Energie.

Ein gut aufgestelltes Solarmodul liefert über das Jahr ca. 250 Kilowattstunden an elektrischer Energie. Sie würden also mit jedem Solarmodule 250 kg Kohle pro Jahr einsparen.

Da der Strom in Deutschland aktuell zu ca. 30 % aus Kohlekraftwerken stammte, sparen Sie ungefähr 60 kg pro Jahr ein. Mit zwei Solarmodulen sind es bereits 120 kg.

Sie sparen allein mit einer kleinen Solaranlage auf dem Balkon in 25 Jahren ca. 3 Tonnen klimaschädliche Braunkohle ein! Das ist doch mal ein Argument für ein Balkonkraftwerk.

Ihr CO2-Fußabdruck

Ihr CO2-Fußabdruck ist eine Spur, die jeder von uns in der Umwelt hinterlässt. Er umfasst alles, was zum Ausstoß von Kohlendioxid führt. Kohlendioxid entsteht insbesondere beim Verbrennen fossiler Kraftstoffe wie Kohle, Öl oder Gas.

Besonders viel CO2 entsteht durch Wohnen, Mobilität und Ernährung. Beim Wohnen verursachen vor allem Heizen und Strombedarf schädliche Klimagase. Die größten Stromfresser sind Kühlschrank oder Herd.

Wenn Sie energiesparende Geräte und Strom aus erneuerbaren Quellen verwenden, dann wird ihr persönlicher CO2 Abdruck in diesem Bereich sehr klein.

Der wirtschaftliche Nutzen ist überschaubar, aber eine Mini PV Anlage bietet jedem die Möglichkeit, an der Energiewende teilzuhaben.

Sie erzeugen den Strom da, wo er gebraucht wird. Die Solarenergie hat das größte Potenzial alle erneuerbaren Energien.

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