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Photovoltaik lohnt sich nicht mehr? – Faktencheck

Letztes Update: 20. April 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Jens Burkhardt

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Jens Burkhardt

Die Photovoltaik-Industrie ist längst heraus aus den Kinderschuhen. Es gibt in Deutschland Millionen von PV-Anlagen, auf Dach und als Freifläche. Im Strommix sorgen erneuerbare Energien für den größten Teil. Mittlerweile aber lohnt Photovoltaik nicht mehr, oder?

Der Aufschwung der Photovoltaik wurde maßgeblich durch die positive Renditeerwartung beflügelt. Durch das EEG gibt es seit 2020 eine staatlich garantierte Subvention, die auf 20 Jahre garantiert ist. Die Kosten tragen alle Stromkunden mit der EEG-Umlage.

Photovoltaik auf Eigenheim lohnt sich

Photovoltaik auf Eigenheim lohnt sich oftmals

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Man kann zu Subventionen stehen, wie man möchte. Fest steht: Eine teure Technik wurde damit schnell zur Marktreife gebracht. Eine typische PV-Anlage kostete vor 20 Jahren in etwa das Fünffache vom heutigen Preis. Im Gegenzug gab es für eine kWh eingespeisten Strom über 0,5 Euro. Heute liegen wir mit weniger als 0,09 Euro weit darunter.

Aber lohnt sich Photovoltaik unter diesen Umständen überhaupt noch? Diese Frage möchte ich mit diesem Artikel beantworten.

Photovoltaik lohnt nicht?

Photovoltaik ist für viele Investoren ein Renditeobjekt. Dass sich Photovoltaik nicht lohnt, ist faktisch falsch. Werden alle Faktoren in die Berechnung einbezogen, kann eine Rendite von über 5 Prozent entstehen. Vor allem PV-Anlagen für Eigenheime, mit hoher Eigenverbrauchsquote, lohnen sich finanziell. Batteriespeicher können einen negativen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben.

Möchten Sie mit Photovoltaik Geld verdienen, lohnt sich dieser Guide hier. Darin werden die einzelnen Faktoren auf Ertrag und Kosten erläutert.

Photovoltaik lohnt nicht per se. Man könnte sagen, es kommt immer darauf an. Folgende Einflussfaktoren spielen eine Rolle:

  • Größe (Dachfläche, Freifläche)
  • Neigungswinkel der PV-Anlage
  • Azimut (Ausrichtung)
  • Ort der Installation (Stichwort: Strahlungsstärke der Sonnenenergie)
  • Verwendete Komponenten (Module, Wechselrichter, Montagesystem, Kabel, etc.) 
  • Höhe der Einspeisevergütung (Cent pro Kilowattstunde)
  • Höhe der Stromkosten (pro kWh und pro Jahr)
  • Eigenverbrauchsquote
  • Kosten für Anschaffung der PV-Anlage
  • Laufende Kosten
  • Steuern

Man kann sagen, dass sich eine Photovoltaikanlage für die meisten Einfamilienhäuser lohnt. In der Regel ist das Dach halbwegs gut ausgerichtet (Ost- oder West Dach ist auch okay) und es besteht ein Eigenverbrauch von über 20 Prozent.

Bei gewerblichen Anlagen, wenn das Dach gepachtet wird, und sich die Rendite allein aus der Einspeisung zusammensetzt, sieht es etwas anders aus.

Hier muss schon alles stimmen! Der Besitzer vom Objekt möchte mit dem Vermieten vom Dach Geld verdienen. Der Investor auch. An dieser Stelle kann Photovoltaik sich nicht lohnen. Es muss hier jeder Fall einzeln betrachtet werden.

Rendite Lüge Photovoltaik

Gelegentlich hört man von der “Rendite Lüge Photovoltaik”. Einige Investoren und Anlagenbesitzer haben mit einer PV-Anlage Geld verloren und glauben nun, dass das ganze System von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Anekdoten können aber nicht über den Fakt hinwegtäuschen: Wird richtig kalkuliert, dann ist Photovoltaik auch profitabel.

Probleme der Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage

Es gibt einige Faktoren, die beachtet werden sollten, damit die Photovoltaik Anlage nicht nur sauberen Strom, sondern auch positiven Ertrag produziert. Diese betrachten wir jetzt im Einzelnen.

Die Photovoltaik Anlage ist zu teuer

In die PV-Rendite-Berechnung gehören die Anschaffungskosten. Sind diese schlicht zu hoch, steht ihr wirtschaftlicher Erfolg auf dem Spiel. Eine Photovoltaikanlage kosten aktuell etwa 1100- 1400 Euro je kWp. Das macht bei einer 10 kWp Anlage eine Spanne zwischen 11.000 - und 14.000 Euro. 

Strom sparen mit Photovoltaik

Photovoltaikanlage zu teuer? Vergleichen Sie Angebote!

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Ganz klar lohnt sich die günstigere Variante für die eine PV-Anlage deutlich mehr. Deshalb meine Empfehlung: vertrauen Sie nicht auf das erste Angebot. Lassen Sie sich Angebote von mehreren lokalen Fachbetrieben und von größeren Anbietern machen.

Aber bedenken Sie auch, dass ein zu günstiger Preis später zu hohen Folgekosten führen kann. Prüfen Sie deshalb immer die Referenzen der Anlagenbauer.

Es wird ein unwirtschaftlicher Stromspeicher eingesetzt

Heutzutage wird fast immer auch ein Stromspeicher angeboten. Sie sollten sich hier die Frage stellen, ob sich das wirklich für sie lohnt. Problematisch ist es, dass beim Speichern des Stroms Umwandlungsverluste entstehen. So lösen sich schnell 7- bis 15 Prozent ihres produzierten Stroms in Luft auf.

Zudem ist die PV-Anlage oft für den Stromspeicher unterdimensioniert. Ist es Winter, produziert die Photovoltaikanlage so wenig Strom, dass der Speicher praktisch ungenutzt bleibt. 

Lohnt sich ein Stromspeicher also generell nicht?

Das kann so nicht pauschal beantwortet werden:

  • Bekommen Sie einen günstigen Preis,
  • gibt es gerade eine spezielle Photovoltaik-Förderung
  • und ziehen Sie generell Mehrwert aus dem Speicher (z.B. Technikvorreiter, etc)?

In diesem Fall können Sie den Batteriespeicher getrost kaufen. Mit einer Rendite-Steigerung ist aber auch dann kaum zu rechnen.

Fehlkalkulation mit zu hoher Eigenverbrauchsquote

Beim Angebot für eine neue Photovoltaik-Anlage sollte es immer auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung geben. Es wird mit einem Mix aus Einspeisevergütung und Eigenverbrauch gerechnet. 

Damit sich Photovoltaik mehr lohnt, nutzen Anbieter oft einen utopisch hohen Eigenverbrauchsanteil von 40- bis 80 Prozent. Je nach Anlagengröße ist ein Photovoltaik Eigenverbrauch von 10 - bis 30 Prozent realistisch

Nebenkosten werden nicht beachtet

Es gibt einige Kosten jeder PV-Anlage, die oft unbeachtet bleiben. Die Anlage sollte versichert werden, der Zweirichtungszähler kostet zusätzliche Gebühren und der Wartungsbedarf frisst auch einiges Geld pro Jahr.

Haben Sie auch daran gedacht, dass Steuern fällig sind und das die Buchhaltung Aufwand mit sich bringt?

Einige Photovoltaik-Komponenten werden wahrscheinlich irgendwann ausfallen. Es lohnt sich z.B. für den Wechselrichter Rücklagen zu bilden.

Negative Erfahrungen mit Photovoltaikanlagen vermeiden

Solarstrom kann unsere gesamte Gesellschaft bereichern. Mit einer durchschnittlichen Solaranlage auf dem Dach erfolgt eine Amortisation in 8- bis 11 Jahren. Das ist der Zeitpunkt, ab dem die PV-Anlage komplett abbezahlt ist.

Nun steht Ihnen die gesamte Leistung für den Eigenverbrauch zur Verfügung. Der Überschuss geht ins öffentliche Netz.

Negative Erfahrungen mit Photovoltaik stammen vor allem aus persönlichem Versagen. Das klingt hart, ist aber so. Jede Investition sollte vor Abschluss genau geprüft und verstanden werden. So auch hier. 

Wenn Photovoltaik-Anlagen keine Rendite abwerfen, gab es von Anfang an eine Fehlkalkulation.

Beachten Sie deshalb immer diese zwei Tipps:

1. Kalkulieren Sie selbst

Unabhängig davon, wie seriös der Verkäufer auftritt. Prüfen Sie die Zahlen auf Stimmigkeit und nutzen Sie einen eigenen Kalkulator. Nur so sehen Sie, ob sich Photovoltaik für Sie lohnt, oder nicht! 


Nutzen Sie den Wirtschaftlichkeitrechner für Photovoltaikanlagen von Echtsolar

Wütend aufgrund Fehlinvestition

Selbst rechnen erspart "Überraschungen" von schlechten Investitionen

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Oftmals werden verdeckte Kosten, nicht in die Gesamtrechnung miteinbezogen. Optimistische Annahmen verzerren das Bild. Rechnen Sie deshalb immer selber und vergleichen Sie die Preise.

2. Sich nichts aufschwatzen lassen

Es gibt immer mehr Varianten in Photovoltaik zu investieren. Ein neuer Trend ist das Mieten von Photovoltaikanlagen. Die Anbieter schießen wie die Pilze aus dem Boden und werden oftmals mit Millionensummen von Risikokapitalgebern finanziert. Das Geschäftsmodell lohnt sich für diese Firmen. Für Sie lohnt sich dieses Modell finanziell aber nicht. 

Wenn kein Eigenkapital zur Verfügung steht, bietet es natürlich eine gute Möglichkeit in die Energiewende einzusteigen und dezentral Solarstrom zu produzieren. 

Ein anderer Punkt: Verkäufer pochen oft auf darauf, einen Stromspeicher mit der PV-Anlage zu kaufen. In den meisten Fällen lohnt sich das (noch) nicht. Besser wäre es, wenn sie eine Möglichkeit finden mehr Kilowatt ihrer eigenen Erzeugung direkt zu verbrauchen. 

Fazit - lohnt sich eine PV-Anlage?

Der Mythos, dass sich Photovoltaik nicht lohnt ist falsch. Dennoch ist nicht jede Solaranlage automatisch rentabel. Machen Sie sich vor der Entscheidung ein klares Bild von der Solar-Energie, kalkulieren Sie mit allen wichtigen Details und treffen Sie die Entscheidung anhand Fakten, nicht Emotionen.

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