„Photovoltaik lohnt sich nicht“ trifft als pauschale Aussage nicht zu: Im 10-kWp-Referenzfall mit 10-kWh-Speicher ergeben sich 5,2 Prozent Anlagenrendite und 13,5 Jahre bis zum ersten Break-even. Ein schlechtes Ertragsprofil, hohe Kosten oder ungünstige Verträge können die Investition trotzdem unattraktiv machen.
Dieser Artikel prüft die Gegenargumente einzeln nach: was stimmt, was nicht stimmt und in welchen Fällen der Kauf tatsächlich die falsche Entscheidung ist. Die Rechnung dahinter steht im Überblick zur Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage.
- Berechtigt: Ersatzkäufe und laufende Kosten gehören in jede vollständige Rechnung
- Auch berechtigt: Kapitalbindung und Risiko unterscheiden PV von einem Sparvertrag
- Nicht haltbar: Die Behauptung, die Herstellung koste mehr Energie als die Anlage liefert
- Der teure Fall: ohne Speicher und bei 4.500 kWh Verbrauch nur 1,8 Prozent Modellrendite
- Vertragsrisiken: Miete, Zusatzkosten und Anbieterleistungen über dieselbe Laufzeit vergleichen
- Vorplanung: Verschattung, Dachzustand und mögliche Asbestbelastung vor einem Kauf klären
Rechenbasis: Angebotsdaten bis September 2026, 10 kWp und 10 kWh Speicher, sofern nicht anders angegeben; 4.500 kWh Verbrauch, 965 kWh/kWp, 37 ct/kWh mit 2 Prozent jährlicher Steigerung, 25 Jahre. Normierter Januarstart mit manuell angesetztem EEG-Satz aus August bis Dezember 2026, 252 Monate; danach 4 ct/kWh als ungesicherte Annahme. Betrieb, Alterung und Ersatzkäufe sind enthalten. Die vollständigen Modellannahmen erläutern auch Verluste und nicht simulierte Einspeisebegrenzungen.
Was an der Kritik stimmt
Ersatzkosten müssen berücksichtigt werden. Die Referenzrechnung setzt nach 15 Jahren einen Wechselrichtertausch für 650 € und einen Speicherersatz für 2.053 € an. Preis und Zeitpunkt sind Modellannahmen. Wird der erste Break-even schon vorher erreicht, verändern spätere Ersatzkäufe ihn nicht rückwirkend; sie mindern aber den Gesamtüberschuss und können den Saldo wieder unter null drücken.
Preisindizes und konkrete Anlagengrößen dürfen nicht vermischt werden. Der aktuelle 10-kWp-Referenzpreis ohne Speicher beträgt 1.695 € /kWp. Der größenübergreifende Kostenindex ist eine andere Kennzahl. Wie sich beide entwickeln, zeigt der Photovoltaik-Kostenindex. Ältere Amortisationsangaben sollten mit aktuellen Angeboten neu gerechnet werden.
Der Vergleich mit anderen Geldanlagen bleibt wichtig. Eine PV-Anlage bindet Kapital am Gebäude, während etwa Tagesgeld kurzfristig verfügbar bleibt. Die 3,3 Prozent Modellrendite ohne Speicher sind kein garantierter Sparzins. Technische Risiken und Reparaturen gehören ebenso in den Vergleich wie Steuern und die benötigte Liquiditätsreserve.
Strompreissteigerungen können ein Ergebnis erheblich aufwerten. Im Referenzfall beträgt die Rendite bei konstantem Netzstrompreis 3,2 Prozent, bei 2 Prozent jährlicher Steigerung 5,2 Prozent und bei 4 Prozent Steigerung 7,3 Prozent. Keiner dieser langfristigen Preisverläufe ist sicher. Die Rechnung sollte deshalb mehrere Szenarien enthalten.
Prüfen Sie die Annahmen im Angebot: Jahresertrag, zeitlich nutzbarer Eigenverbrauch, heutiger Stromtarif, Preissteigerung sowie Betriebs- und Ersatzkosten. Besonders nützlich ist eine Gegenrechnung mit konstantem Strompreis. Eine pauschal „realistische“ Steigerung über 25 Jahre lässt sich nicht garantieren.
Was an der Kritik nicht stimmt
„Die Herstellung verbraucht mehr Energie, als die Anlage je liefert.“ Für marktübliche monokristalline PV nennt das Fraunhofer ISE eine Energierücklaufzeit unter 1,3 Jahren. Das ist von finanzieller Amortisation und einer zusätzlichen Speicherbilanz zu unterscheiden.
„Der Speicher rechnet sich nie.“ Das ist ebenfalls zu pauschal. Bei 4.105 € Speichermehrkosten verbessert der 10-kWh-Speicher den Überschuss unseres Referenzfalls über 25 Jahre um 9.528 €. Verluste, Alterung, zusätzliche laufende Kosten und ein Ersatz sind dabei enthalten. Andere Preise oder Verbrauchsprofile können zu einem anderen Ergebnis führen.
„Nach 20 Jahren bringt die Anlage nichts mehr.“ Selbstverbrauch kann auch nach Förderende Netzbezug vermeiden. Künftige Einspeiseerlöse sind dagegen ungewiss: Die heutige Übergangsregel für bereits ausgeförderte Anlagen ist keine Garantie für eine neue Anlage im Jahr 2047. Die Langfristrechnung setzt anschließend 4 ct/kWh als Annahme an; Details unter Einspeisevergütung.
Auch die Degradation, also der altersbedingte Leistungsrückgang, gehört in die Rechnung. Wir setzen 0,5 Prozent jährlich an. Das ist eine Planungsannahme, kein garantierter Messwert der späteren Anlage; Defekte und außergewöhnliche Ausfälle sind damit nicht automatisch abgedeckt.
Wann sich eine Anlage wirklich nicht rechnet
Bereits ein einzelner schwerwiegender Nachteil kann eine Anlage unwirtschaftlich machen. Die folgenden isolierten Modellfälle bleiben nominal positiv, können aber eine persönliche Renditeanforderung verfehlen. Alle verwenden 10 kWp und, sofern nicht anders genannt, 10 kWh Speicher.
| Konstellation | Anlagenrendite vor Finanzierung | Erster Break-even |
|---|---|---|
| Teurer Preisansatz ohne Speicher, 4.500 kWh Verbrauch | 1,9 % | 19,4 Jahre |
| 2.500 kWh Jahresverbrauch | 2,1 % | 19,8 Jahre |
| 800 kWh/kWp Jahresertrag | 4,2 % | 14,9 Jahre |
| Vollfinanzierung zu 4 % nominal, zehn Jahre | 5,2 % | 17,6 Jahre nach Kreditraten |
Vollfinanzierung bedeutet im Modell keinen Gesamtverlust: Nach 25 Jahren bleiben 13.065 € Überschuss statt 17.591 € beim Barkauf. Allerdings übersteigen rund 2.559 € jährliche Kreditraten den Nutzen von 1.469 € in den ersten zwölf Monaten. Rund 1.090 € müssen aus dem Haushaltsbudget kommen. Rate, Reserve und Zinskosten sind deshalb getrennt vom Langfristgewinn zu prüfen.
Vor einer Investition sind außerdem folgende Punkte zu klären:
- Starke Verschattung: Eine Ertragsprognose muss zeigen, ob die verbleibenden nutzbaren Flächen die Kosten tragen.
- Asbesthaltiges Dach: Auf asbesthaltigen Dach- und Wandverkleidungen sind Überdeckungs-, Überbauungs- und Aufständerungsarbeiten einschließlich Solaranlagen verboten (Bayerisches Umweltministerium). Eine erforderliche Sanierung ist vor der Montage fachgerecht zu planen.
- Anstehende Dachsanierung: PV und Dacharbeiten gemeinsam planen. Spätere Demontage- und Wiederaufbaukosten müssen gegebenenfalls in die Rechnung.
- Geplanter Hausverkauf: Den erzielbaren Anlagenrestwert nicht pauschal voraussetzen.
Denkmalschutz schließt Photovoltaik nicht pauschal aus. Die Genehmigungsfrage und gestalterische Auflagen hängen vom Landesrecht und dem konkreten Objekt ab. Vor Auftragserteilung sollte die zuständige Behörde eingebunden werden.
Wo tatsächlich Geld verloren geht
Teure oder unvollständige Angebote und ungünstige Vertragsbedingungen können den Nutzen deutlich verringern. Technische Mängel und Ertragsausfälle bleiben daneben eigenständige Risiken.
Mietangebote vollständig rechnen. Die Verbraucherzentrale weist auf lange Bindung und mögliche Mehrkosten hin. Entscheidend sind Gesamtzahlungen, enthaltene Wartung und Ersatzleistungen sowie Regelungen bei Hausverkauf, Erbfall und Vertragsende.
Ein günstiger Kaufpreis hilft nur, wenn Technik, Montage und Leistungsumfang passen.
Der Vergleich mit den aktuellen Photovoltaik-Kosten dauert wenige Minuten.
Ein zu teures Angebot annehmen. Im Preisvergleich unterscheiden sich die beiden Speicherfälle um 8.314 € Überschuss und 3,6 Prozentpunkte Rendite. Das ist ein Modellvergleich, keine Garantie für einen bestimmten Sparbetrag durch Anbieterwechsel.
Unter Zeitdruck unterschreiben. Ein Angebot sollte in Ruhe geprüft werden. Bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verbraucherverträgen besteht grundsätzlich ein Widerrufsrecht; Fristbeginn und Ausnahmen richten sich nach § 312g BGB und § 355 BGB. Auf eine vermeintlich immer laufende 14-Tage-Frist sollte man sich nicht ungeprüft verlassen.
Vertragspartner und Zahlungsschritte nicht prüfen. Eine Insolvenz kann die Durchsetzung von Ansprüchen erschweren. Herstellergarantien sind von Ansprüchen gegen den Installateur zu unterscheiden und richten sich nach ihren eigenen Bedingungen. Leistungsumfang, angemessene Zahlungsstufen und vollständige Anlagendokumentation sollten deshalb vor Vertragsabschluss feststehen.
Die Gegenrechnung mit allen Zahlen steht unter Lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage?.
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