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Wie gut ist Photovoltaik auf dem Flachdach?


Letztes Update: 17. März 2023

Lesedauer: 11 Minuten

Jens Burkhardt Autor Echtsolar

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Letztes Update: 17. März 2023
Jens Burkhardt Autor Echtsolar

Solaranlagen sind so angesagt wie nie zuvor. Solarstrom auf dem eigenen Dach zu produzieren ist nicht nur umweltfreundlich, sondern dank Einspeisevergütung und Speichermöglichkeiten auch wirtschaftlich.

Standardmäßig werden PV-Anlagen auf dem Schrägdach installiert. Doch, wie gut ist Photovoltaik auf einem Flachdach geeignet? Und welche Informationen müssen bei der PV-Flachdachmontage beachtet werden?

Kurz und Knapp: die wichtigsten Fakten zum Photovoltaik-Flachdach

Alle Dächer geeignet

Fast alle Dächer sind für eine Flachdach-PV-Anlage geeignet.

Hohes Gewicht

Der Ballast zur Befestigung der PV-Anlage hat ein hohes Gewicht.

Montagesysteme

Es gibt verschiedenen Montagesysteme für das PV-Flachdach.

Ist Photovoltaik auf dem Flachdach möglich?

Die meisten Flachdächer eignen sich für eine Solaranlage. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Bitumen (Dachpappe), Folie, Beton, Trapezblech oder eine Dachbegrünung handelt.

Ein geeignetes Flachdach sollte einen Neigungswinkel von weniger als 5° aufweisen und ein Dämmmaterial mit hoher Druckfestigkeit (gemäß DIN 4108-10) verwenden. Bei Garagen oder Carports ist jedoch keine Dämmung erforderlich, sodass die Anforderung bezüglich des Dämmmaterials in solchen Fällen nicht relevant ist.

Weiterhin muss das Flachdach das zusätzliche Gewicht der Photovoltaikanlage von 12 bis 33 kg pro m² tragen können. Werden diese Anforderungen erfüllt, ist das Flachdach gut für Photovoltaik geeignet.

Vorteile und Nachteile der Flachdach-PV-Anlage

Vorteile

  • Flexibilität bei Aufstellwinkel und Ausrichtungen 
  • Einfachere Wartung und Reinigung
  • Einfachere Montage (kein Baugerüst notwendig)
  • Bessere Hinterlüftung (geringere Temperaturverluste)

Nachteile

  • Höherer Flächenbedarf pro kWp
  • Hohe Windkräfte: Ballastierung oder Verankerung notwendig
  • Höhere Verschmutzung der Module
  • Montagesystem ist teurer

Der optimale Winkel für Photovoltaikanlagen auf dem Flachdach

Oft hört man, dass der optimale Winkel einer Photovoltaikanlage irgendwo zwischen 30 und 45 Grad liegt. Allerdings wird häufig vergessen, dass der Neigungswinkel in Abhängigkeit zur Ausrichtung der PV-Anlage steht. Bei Anlagen, die von Süden abweichen, wird die perfekte Neigung tatsächliche niedriger ausfallen.

offenes Gestell Flachdach-Photovoltaik Montagesystem

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Wichtig zu wissen: flache Winkel, z.B. 15 Grad, sowie steile Winkel (beispielsweise 50°) haben insgesamt nur eine geringe Auswirkung auf das Jahresergebnis. 

Selbst bei flach auffliegenden Solarmodulen ist immer noch mit einer Ausbeute von 86,5 Prozent im Vergleich zum Optimum zu rechnen.

Doch testen Sie es selbst mit dem Neigungswinkel-Rechner für Photovoltaikanlagen.

Achtung: bei niedrigen Winkeln verschlechtert sich die Selbstreinigung der PV-Module. Das kann zu zusätzlichen Kosten in Form einer Reinigung der Photovoltaikanlage führen. Dagegen führt eine höhere Modulneigung zu starken Schattenwurf, wodurch größere Reihenabstände notwendig werden. 

Insgesamt liegt der optimale Winkel der PV-Aufständerung auf dem Flachdach zwischen 10 und 15 Grad, denn es ist der beste Kompromiss aus Flächennutzung, Leistung und Verschmutzungsprävention.

Was ist die beste Ausrichtung für das PV-Flachdach?

Grundsätzlich gibt es für die PV-Anlage auf dem Flachdach zwei Montagearten: die Ausrichtung gegen Süden bzw. parallel zum Dachverlauf oder die zweiseitige Ausrichtung nach Ost-West.

Es gibt nicht die ideale Ausrichtung auf dem Flachdach, weil beide Befestigungssysteme eigene Vor- und Nachteile haben und letztlich das persönliche Ziel des Anlagenbetreibers entscheidend ist.

Ausrichtung nach Süden

Die Südausrichtung ist traditionell die bevorzugte Wahl der Aufständerung, da sie den höchste solaren Energieertrag über das Jahr hinweg bietet. Dies führt in der Regel zu einer besseren Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage.

Dachparallele Installation-Photovoltaik auf Flachdach

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Bei der Ausrichtung nach Süden werden große Abstände zwischen den einzelnen Modulreihen benötigt, damit diese sich nicht gegenseitig beschatten. 

Dies hat jedoch zur Folge, dass insgesamt eine geringere Anzahl von Photovoltaik-Modulen installiert werden kann.

Die Gesamtleistung der Solaranlage bleibt also bei Verwendung eines Süd-Montagesystems eher gering, der spezifische Ertrag (kWh/kWp) ist aber sehr hoch.

Ost-West-Flachdach-PV-System

Bei einem Ost-West-Photovoltaik-Flachdach kann deutlich mehr Dachfläche ausgenutzt werden. Es wird zwischen den einzelnen Reihen nur wenig Abstand benötigt.

Folgendermaßen ist das Flachdachsystem Ost-West aufgebaut:

Ost-West Flachdach-Photovoltaik-System

Ost-West PV-Anlage auf Flachdach

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Die Solarmodule liegen Rücken an Rücken, man spricht dabei auch von doppelseitiger Aufständerung.

Damit keine Verschattung erzeugt wird, hat diese Aufständerung meistens einen niedrigen Neigungswinkel von 10 bis 15°.  Die Ausrichtung der Photovoltaikanlage nach Ost und West mindert den spezifischen Ertrag (kWh pro kWp).

Dafür können viel mehr Solarmodule montiert werden.

Ein weiterer Vorteil ist die gleichmäßigere Leistungskurve der PV-Anlage. Im Vergleich zur Südanlage, steht am Morgen und Abends mehr Solarenergie zur Verfügung, was wiederum den Eigenverbrauch erhöhen kann.

Photovoltaik-Flachdach Flächenbedarf

Der Flächenbedarf einer PV-Anlage auf dem Flachdach ist 30 bis 60 Prozent größer, als bei der Montage auf dem Schrägdach. Der Grund dafür sind die erforderlichen Abstände zwischen den Modulreihen, um die Selbstbeschattung und den daraus resultieren Ertragsverlust zu verhindern. Auch muss ein höherer Abstand zum Dachrand bzw. Attika eingehalten werden.

Eine aufgeständerte PV-Flachdachanlage erreicht 0,06 bis 0,1 kWp pro Quadratmeter, bzw. 60 bis 100 Wp pro m² verfügbarer Dachfläche, inklusive der notwendigen Abstände. Im Vergleich dazu hat eine flach aufliegende Solaranlage eine Leistung von 200 bis 220 Wp/m² (allerdings ohne Abstände).

Eine PV-Anlage mit 10 kWp benötigt auf einem Flachdach etwa 100 bis 110 m². Auf dem Schrägdach ist dagegen eine Fläche von 55 bis 60 m² erforderlich.

Wie viel Quadratmeter braucht man für ein kWp auf dem Flachdach?

Im Durchschnitt werden 10 bis 15 m² Fläche pro kWp PV-Leistung auf Flachdächern benötigt. Mit zunehmender Größe vom Dach verringert sich der spezifische Flächenbedarf leicht, da die erforderlichen Abstände prozentual einen geringeren Einfluss haben. 

Möchten Sie ausrechnen, wie groß die PV-Anlage auf Ihrem Flachdach sein kann? Der Photovoltaik-Rechner für das Flachdach macht es ganz einfach.

Tipps zur fachgerechten Befestigung von PV-Anlagen auf Flachdächern

Die Montage einer ordnungsgemäßen Photovoltaikanlage auf dem Flachdach setzt folgende Punkte voraus:

  • die Statik des Flachdachs muss überprüft werden, um die Resttragfähigkeit vom Dach zu ermitteln

  • das Flachdach sollte maximal 5° Neigung haben, ansonsten muss die Solaranlage gegen Hangabtrieb gesichert werden

  • es muss ein passendes Montagesystem für das PV-Flachdach verwendet werden

  • Die PV-Anlage muss standfest gegenüber Umwelteinflüssen, wie Winddruck, Windsog und Schnee gesichert sein

  • die Modulauslegung und die benötigte Befestigung wird mithilfe eines Simulationsprogramms, anhand örtlicher Gegebenheiten (siehe DIN EN 1991), ermittelt

  • steht das Gebäude unter Denkmalschutz, wird eine Baugenehmigung notwendig, ansonsten ist das Photovoltaik-Flachdach genehmigungsfrei

Es gibt 2 herkömmliche Varianten, eine PV-Anlage auf dem Flachdach zu befestigen. 

Die gängigste Form der Flachdachmontage kommt ohne Dachdurchdringung aus. Die Solarpanels werden dabei auf dem Flachdach aufgeständert, aber nicht fest im Dach verankert. Stattdessen wird die Photovoltaikanlage mithilfe einer Beschwerung gegen Umfallen oder Abheben gesichert. 

Das benötigte Gewicht der Ballastierung wird anhand von diversen Faktoren, wie z.B. der Höhe des Gebäudes, der Windlastzone, der Schneelastzone und der aerodynamischen Eigenschaften der Metallkonstruktion, ermittelt.

Als Beschwerung für das PV-Flachdach dienen meistens Betonplatten oder Kies.

PV-Flachdach befestigen

Montage vom Photovoltaik-Flachdach

© altec-metalltechnik.de

Um ein Verrutschen der PV-Anlage auf der Dachoberfläche zu verhindern, werden die Basisschienen der Unterkonstruktion auf Bautenschutzmatten platziert, die eine hohe Haftreibung zum Untergrund aufweisen.

Die zweite Methode der Modulbefestigung ist die Verankerung in der Dachkonstruktion. Dabei werden die Grundschienen der Unterkonstruktion fest mit dem Dach verbunden. Dazu werden Stockschrauben direkt in die Holzdachbinder vom Flachdach eingeschraubt. Bei Dachtragwerken mit Betondecke werden dagegen Dübel-Systeme eingesetzt.

Bei dieser Variante der Anlagenbefestigung muss die Dachhaut durchdrungen bzw. durchstoßen werden. An jedem Befestigungspunkt wird die intakte Dachbahn geöffnet, um diese später wieder kompliziert abzudichten. Eine solide Dachversiegelung ist nicht mehr gegeben. Insgesamt bringt das viel Aufwand für den Installateur und ein erhöhtes Risiko für den Anlagenbetreiber mit sich.

Gut zu wissen:

Das Montagesystem wird normalerweise nicht mit der Dachhaut verklebt, wie oftmals online zu lesen ist. Es gibt zwar einige Flachdachsysteme, wo der Profilhalter mit der Dachfolie verschweißt wird, in der Regel wird dieses Verfahren aber nicht angewendet.

Was kostet eine Solaranlage auf dem Flachdach?

Eine Photovoltaikanlage mit Flachdach-Montage kostet etwa 1500 bis 1900 € pro Kilowatt-Peak. Eine typische PV-Anlage mit 8 kWp liegt damit preislich bei 12.000 bis 15.200 Euro (ohne Speicher). Ein Stromspeicher kostet etwa 1.000 € pro kWh Batteriekapazität extra.

Wichtig: Je größer die PV-Anlage, desto günstiger wird der spezifische Preis pro kWp. Große Anlagen sind daher tendenziell lohnenswerter.

Das Flachdach-Montagegestell ist im Vergleich zur normalen PV-Unterkonstruktion für das Schrägdach etwas teurer in der Anschaffung, dafür verläuft die Installation schneller und ist somit auch günstiger.

Der Betrieb einer PV-Anlage auf dem Flachdach ist prinzipiell rentabel, insbesondere aufgrund der Abschaffung sämtlicher Steuern auf Anschaffung und anlaufende Erträge (unter 30 kWp) zu Beginn des Jahres 2023.

Weiterhin gibt es verschiedenen Förderprogramme für Photovoltaikanlagen vom Bundesland oder Kreis. Zur Finanzierung gibt es verschiedene Modelle, z.B. über die KfW-Bank oder mithilfe eines Solarkredits.

Möchten Sie ihr auf ihrem Flachdach eine eigene PV-Anlage?

Die Anschaffung einer PV-Anlage auf dem Flachdach kann ein langwieriger Prozess sein. Damit der Kauf der Photovoltaikanlage einfach und schnell vonstattengeht, bieten wir unseren Lesern folgenden Service an:

Mit der Eintragung im folgenden Formular bekommen Sie (innerhalb weniger Werktage) bis zu 5 Angebote von Solarteuren mit freien Kapazitäten. Diese Dienstleistung erfolgt völlig kostenfrei und unverbindlich, in Kooperation mit der Deutschen Auftragsagentur, einer Tochtergesellschaft von Bosch.


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  1. Gut zu wissen, dass sich die meisten Flachdächer für eine Solaranlage eignen, ohne dass es eine Rolle spielt, ob es sich um Dachpappe, Folie, Trapezblech oder eine Dachbegrünung handelt. Mein Onkel möchte sich ein neues Flachdach einlegen lassen. Er freut sich, dass er darauf problemlos später eine Solaranlage errichten lassen kann.

  2. Mein Mann und ich möchten unser Flachdach neu decken lassen. Gut zu wissen, dass die meisten Flachdächer auch für Solaranlagen geeignet sind. Ich werde dies mit meinem und einem Dachdecker abklären.

  3. Gut zu wissen, dass die klassische Befestigung des Flachdachs mit einer Dachdurchdringung eine enorme Festigkeit in sich trägt. Mein Onkel möchte das Flachdach seines Hauses mit einer Photovoltaikanlage ausstatten. Er hofft, dass diese Art der Befestigung tatsächlich eine gewisse Festigkeit sichert.

  4. Unser Haus hat ein Flachdach. Gut zu wissen, dass selbst diese Dachform geeignet für eine Photovoltaikanlage sein kann. Ich werde mich hierzu in Bregenz von einem Profi beraten lassen.

  5. Danke für die Idee mit den Kieswannen! Das erspart die Entsorgung der schon vorhandenen Kieselsteine, die Anschaffung von schweren Platten und deren Schlepperei auf das Dach. 👍🏻😃

  6. Wir haben ein Flachdach. Gut zu wissen, dass man hier im Prinzip recht einfach eine Photovoltaikanlage einbauen kann. Dies werden wir machen, wenn wir das Flachdach sanieren müssen.

  7. Vielen Dank für den Artikel! Ich würde gerne Solarmodule auf meinem Flachdach aufstellen. Daher ist es gut zu wissen, dass dies mithilfe eines Montagesystems geschehen müsste. Ich werde mal schauen, wen ich dafür so finden kann.

  8. Ich habe letztens mit meinem Dachdecker geredet. Ich wäre an einer PV-Anlage interessiert. Auch er meinte, dass es kein Problem sein sollte, da ich ein Flachdach habe.

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