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Die Photovoltaik Cloud – wie funktioniert der virtuelle Stromspeicher?

Letztes Update: 18. Februar 2021

Von Jens Burkhardt 

Lesedauer: 9 Minuten

Jens Burkhardt

Von Jens Burkhardt 

Lesedauer: 9 Minuten

Jens Burkhardt

Sonnenenergie, Biogas, Windkraft bis zum Jahr 2050 sollen 80 % des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Ein zentraler Stützpfeiler des Konzepts sind Photovoltaikanlagen. Sonnenstrom steht aber nicht immer zur Verfügung, wenn er gebraucht wird. Daher ist es umso wichtiger, den Strom zwischenzuspeichern. Hier kommt die Photovoltaik Cloud ins Spiel.

Prinzip der Photovoltaik Cloud

Die Photovoltaik Cloud besteht aus vielen kleinen und dezentraler Energiespeichern. Hier können Sie - und andere Solaranlagenbetreiber - Ihren überschüssigen Strom zwischenspeichern. Der Name ist angelehnt an die IT-Cloud, die Sie von daheim kennen. Wenn Sie mehr Strom benötigen, als sie produzieren holen Sie sich den gespeicherten Strom zurück.

Soweit die Theorie. Praktisch lässt sich Strom nicht einfach in einer Cloud zwischenspeichern. Eigentlich ist das System eine Art Verrechnungssystem. 


Normalerweise bekommen Sie den überschüssigen Strom der Photovoltaikanlage vergütet. Bei der Cloud überlassen sie diesen Strom erst einmal ihrem Anbieter. Später bekommen Sie die gleiche Menge Strom, wenn Sie diese benötigen, zur Verfügung gestellt. Das Ziel ist es keine klassischen Stromkosten mehr zu haben.

Solarmodul queer

Photovoltaik und Solarthermie

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Die Idee der Cloud, welche eine ortsunabhängige Nutzung von Ressourcen ermöglicht, wurde auf die Energiewirtschaft übertragen. Da dieser Speicher durch das Netz (das Stromnetz) gespeist wird, kann man modern auch Strom Cloud sagen.

Das Problem mit der Sonnenenergie

Das große Problem mit Solarenergie ist, dass häufig die Photovoltaikanlage (auch mit Stromspeicher) die benötigte Strommenge nicht zeitgleich bereitstellen.

Im Sommer scheint die Sonne, Ihre PV-Anlage produziert kräftig Strom. Dann decken Sie mit Photovoltaik 50 - bis 80% Ihres Stromverbrauchs ab. Mit einem Akku als Stromspeicher kann ein Autarkiegrad von nur 80 % - 99% erreicht werden.

Trotzdem haben Sie in diesen Monaten einen Überschuss an Strom. Dieser wird normalerweise gemäß EEG vergütet.

In dunklen Monaten erzeugen Sie tagsüber weniger Strom, als Sie verbrauchen. Der Speicher wird kaum geladen. Dann müssen Sie Strom zukaufen. Je nach Stromanbieter hat Ihr zugekaufter Strom einen großen Anteil aus Kohle oder Kernenergie.

Zusätzlicher Speicherplatz durch die Cloud

Der überschüssige Strom aus den Sommermonaten wird normalerweise ins Netz eingespeist. Bei einer Strom-Cloud geht der Strom nicht ins Netz, sondern in einen virtuellen Energiespeicher. Ihre Kilowattstunden, die Sie im Sommer eingespeist haben, bekommen Sie zurück.

So nutzen Sie im Winter den Strom aus dem Sommer und in der Nacht den Strom vom Tag. Sie beziehen theoretisch 100% ökologischen Strom, egal ob gerade genug Strom auf dem Dach produziert wird.

Schauen wir uns nun, die zwei größten Strom-Cloud-Anbieter an.

Sonnenflat von Sonnen

Das Modell Sonnenflat funktioniert folgendermaßen:

Sie verbrauchen eine gewisse Menge Strom. Nehmen wir an, Ihr Haus braucht 5.500 kWh pro Jahr. Für die Teilnahme an der Cloud empfiehlt die Firma eine Solaranlage mit 7,5 Kilowatt Peak-Leistung oder einem Mindestertrag von 6.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Beide Zahlen hängen natürlich von der Ausrichtung der Solaranlage und der Lage des Objektes ab. Tipp: Kalkulieren ihren Jahresertrag der Photovoltaikanlage mithilfe vom Solar-Ausrichtung-Rechner.

Zusätzlich brauchen Sie einen Speicher. Für Ihren Stromverbrauch ist eine Mindestspeicherkapazität von 10 Kilowattstunden erforderlich. Dann können Sie, für einen monatlichen Betrag von € 19,99, in die Community eintreten.

Der Überschuss an Strom, den Ihre Anlage an schönen Tagen liefert, geht (wenn auch Ihr Speicher voll ist) in die Cloud. Im Winter oder nachts, wenn Ihre Anlage nicht arbeitet und der Speicher leer ist, bekommen Sie Strom von der Sonnen-Community.


Im nächsten Schritt partizipiert die gesamte PV-Cloud am Regelenergiemarkt. Die Batteriespeicher der Cloud können kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Dafür erhalten sie eine Vergütung. Die Höhe hängt vom der Kapazität des Speichers ab. Für eine 11kW Speicher gibt es Beispielsweise 119 Euro im Jahr garantiert.


Das verbessert sowohl der Wirtschaftlichkeit und Hilft der Energiewende im Ganzen.

Strom Cloud

Strom Cloud - Speicher intelligenter nutzen

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Für den Beitrag von 19,99 € pro Monat bekommen Sie maximal 5.500 Kilowattstunden pro Jahr. Bei diesem Modell wird alles zusammengerechnet: Was Sie produzieren, was Sie verbrauchen, was Sie speichern.

Brauchen Sie mehr Strom, z.B. 6.000 Kilowattstunden pro Jahr, erhalten Sie mehr Strom – aber die 500 Kilowattstunden werden separat in Rechnung gestellt, mit eigenem Stromtarif.

Es gibt verschiedene Pakete, je nachdem wie hoch Ihr jährlicher Stromverbrauch ist.

Um bei der Cloud mitmachen zu können, brauchen Sie eine Solaranlage. Den Speicher müssen Sie von der Marke Sonnen kaufen. Mit anderen Speicherlösungen funktioniert das ganze nicht.

Senec-Cloud

Eine der bekanntesten Photovoltaik Clouds ist die von Senec.

Das Prinzip läuft folgendermaßen ab:

Abhängig vom Stromverbrauch gibt es von Senec verschiedene Pakete. Für einen Verbrauch von etwa 5000 kWh im Jahr sollte ein PV-Anlage mit 13kWp installiert sein oder ein Ertrag von 10.000kWh im Jahr. Das ist auch mit einer Süd-Ausrichtung zu schaffen. Meistens liegt der spezifische Ertrag hier bei über 1000kWh/kWp.

Ergänzend brauchen sie einen Batteriespeicher von Senec. Dieser sollte eine Größe von über 10kWh haben. Sind alle Auflagen erfüllt  kann der Photovoltaik Cloud für einen monatlichen Betrag von € 46,99 beigetreten werden.

Ihre Anlage produziert 10.000 Kilowattstunden pro Jahr an Strom. An sonnigen Tagen wandert der Strom (wenn auch Ihr Speicher voll ist) in die Cloud. Ihre EEG-Umlage treten Sie ab. Im Winter oder bei Dunkelheit, also wenn kein Strom produziert wird, beziehen Sie kostenfrei Strom aus der Cloud.

Für 46,99 € pro Monat bekommen Sie maximal 5.000 kWh im Jahr geliefert.

Industriehalle mir Solarpanels

Senec Cloud im Test

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Die Senec Cloud hat weitere Funktionen: Reserve einer Wärmepumpe, Nachtspeicheröfen oder virtuelles Teilen des Stromes mit Freunden und Familie. Zwei weitere Abnahmestellen können den Strom aus Ihrer Strom Cloud nutzen.

Betanken Sie Ihr E-Auto über eine App Cloud-to-Go . Bei über 30 000 Ladesäulen in Deutschland der Schweiz und Österreich tanken Sie Solarstrom aus der Community.

Haben Sie am Jahresende mehr Strom in die Stromspeicher Cloud eingespeichert als vereinbart, bekommen Sie ein Stromguthaben in Höhe der für Sie gültigen Einspeisevergütung ausgezahlt.

Steuerliche Betrachtung der Stromcloud

Die Photovoltaik Cloud stellt eine besondere steuerliche Situation dar. Als Anlagenbetreiber sind Sie unternehmerisch tätig. Normalerweise müssen sie ihren eingespeisten Strom, für den sie die Einspeisevergütung bekommen, versteuern. 

Doch wie ist es, wenn sie den Strom nicht direkt vergütet bekommen, sondern in der Cloud speichern?

Ertragsteuerlich macht es keinen großen Unterschied. Es wird entweder die entfallende EEG-Vergütung, oder der Wert der Cloud-Gutschrift zur Berechnung angesetzt.

Ob sie die Kleinunternehmerregelung nutzen macht für die Ertragssteuer keinen Unterschied. Es kommt lediglich darauf an, ob sie mit ihrer Photovoltaik-Anlage einen Gewinn erzielen oder nicht. Zusätzliche Vergütungen, wie durch Regelenergie müssen natürlich auch versteuert werden.

Einfamilienhaus mit Photovoltaik

Solaranlage auf Einfamilienhaus

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Wie ist es mit der Umsatzsteuer?

Der Umsatzsteuer bemisst sich am steuerlichen Umsatz. Dieser entspricht der Vergütung, die der Anlagenbetreiber erhält. Das ist entweder:

  • die EEG-Einspeisevergütung multipliziert mit eingespeisten kWh
  • oder die Vergütung vom Cloudbetreiber

Sollte keine feste Vergütung der PV-Cloud existieren (Abrechnung gemäß "hochgeladenem" Strom), so wird die Einspeisevergütung als Rechengrundlage benutzt.

Da die Umsatzsteuererklärung viel Arbeit macht, könnte es sich für sie lohnen die Kleinunternehmerregel anzuwenden. Allerdings können sie dann nicht die Mehrwertsteuer vom Kauf der Solaranlage absetzen. 

Lohnenswert kann ein Wechsel nach einigen Jahren sein. Fragen Sie dazu ihren Steuerberater.

Sind die Kosten der PV-Cloud absetzbar?

Der Bezug vom "gespeicherten" Strom (der Cloud) ist nicht unternehmerisch zu bewerten, da sie den Strom privat verbrauchen. Dementsprechend können sie anfallende Kosten, nicht steuerlich wertend machen

Das betrifft die Ertragssteuer, sowie auch die Umsatzsteuer.

Es ist also kein Vorsteuerabzug möglich. Es ist dabei ganz egal, um welche Art von Kosten (monatliche Grundgebühr oder Abrechnung nach kWh) es sich handelt. 

sonnige Solaranlage

Sonnige Aussichten für Photovoltaikbesitzer

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Wie sie sehen ist es bei der PV-Cloud etwas kompliziert. In jedem Fall sollten Sie ihren Steuerberater zu dem Thema befragen. 

Nachteile der Photovoltaik Cloud

  • Kein Anbieter schenkt dem Kunden Strom.
  • Die Konstruktion ist nicht notwendig. Kaufen Sie sich eine gute dimensionierte Photovoltaik-Anlage, mit dem dazugehörigen Batteriespeicher und beziehen Sie den Reststrom von einem Öko-Stromanbieter.
  • Der monatliche Beitrag ist eine pauschale Stromgebühr. Mit der Gebühr zahlen Sie den Stromtransport durch das Stromnetz (kostet Geld) und den Betrieb des Stromspeichers (die Stromspeicher Cloud).
  • Müssen Sie Strom zukaufen, so ist die Kilowattstunde teurer als auf dem freien Markt.
  • Die Modelle sind nicht sonderlich transparent.

Vorteile der Strom Cloud

  • Realisierung weiterer Anwendungen ist möglich (E-Mobilität, Nachtspeicheröfen).
  • Bleiben Sie im vereinbarten Rahmen, beziehen Sie Ihren Strom billiger, als den Strom am Markt.
  • Kein monatlicher Stromabschlag, keine Grundgebühr des Stromversorgers, 100 % Unabhängigkeit.
  • Die Leistung mehrerer Solaranlagen werden gemeinsam genutzt.
  • Speicher Besitzer erhalten bei einigen Modellen Geld für das Bereitstellen der Speicherkapazität. Die Speicher werden durch mehrere Anwender genutzt, somit stärker ausgelastet und rentabler.
  • Netzbetreiber verbessern das Strommanagement ihre Netze und optimieren die Einspeisung von regenerativen Energieerzeugern.
  • Die Stromspeicher Clouds sind ein neuer innovativer Ansatz, damit die Energiewende gelingt
  • Clouds sind eine intelligente Lösung für das Energiemanagement

Fazit - Lohnt sich die PV Cloud wirtschaftlich?

Rein rechnerisch, nein. Selber Strom produzieren und den Rest von einem Stromanbieter zu beziehen, ist in der Regel günstiger. 

Aber, das müssen Sie selbst prüfen. Es gibt regelmäßig neue Angebote und Tarife.

Da die Photovoltaik Clouds einen Stromspeicher benötigen sollten Sie die Entscheidung aber vor der Installation treffen. Bei der Nachrüstung für den Speicher muss die Mehrwertsteuer bezahlt werden, außerdem gibt es oft weniger Förderprogramme.

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